Weißwasser_

Teamportrait: Überraschen die Füchse weiter?

Nach zwei ernüchternden Spielzeiten, die mit dem frühen Playoff-Aus (2014/15) und der Rettung in den Playdowns (2015/16) endeten, ist der Eishockeysport an der deutsch-polnischen Grenze endlich wieder dort, wo er hingehört. Am traditionsreichen Standort Weißwasser geht man wieder gern in den Fuchsbau. Das Zuschauerplus ist das Ergebnis harter Arbeit sowohl auf als auch neben dem Eis. Doch bis zur Ernte der Früchte des Erfolges war es ein hartes Stück Arbeit. Am Anfang des Weges stand die Trennung von Coach und Sympathieträger Paul Gardner. Der kanadische Krawattenliebhaber hatte die Lausitzer Füchse nach der Trennung von Coach Rohrbach im Januar übernommen und umgekrempelt. Doch den großen Umbruch im Sommer sollte bzw. wollte der Coach nicht mittragen und heuerte beim Ligakonkurrenten Löwen Frankfurt an. Nachfolger wurde der mit Umlauten im Nachnamen übersäte Finne Hannu Järvenpää, der bis dato über keinerlei Deutschlanderfahrung verfügte, es in seiner Spielerkarriere aber immerhin zu über hundert Auftritten in der NHL gebracht hatte. Zuletzt war Järvenpää jedoch erfolgreich für Ljubljana sowie Villach und Székesfehérvár in der EBEL im Einsatz. Für die Füchse war diese Verpflichtung letztlich ein Glücksgriff, denn der Finne wurde zum Ende der Hauptrunde zum Trainer der DEL2-Saison gewählt. Die Veränderungen aber der Reihe nach:

 

Tor: Vertrauen in die Jugend
Im Tor verloren die Lausitzer mit Joe Fallon und Hannes Wiedemann gleich zwei zuverlässige Goalies. Der US-Amerikaner Fallon lieferte in der vergangenen Saison zwar durchweg positive Leistungen ab, konnte schlussendlich eine Weiterverpflichtung nicht abschließend rechtfertigen. Zudem stellten die Verantwortlichen ihre Taktik um und entschieden sich, die Ausländerlizenzen in der aktuellen Saison nicht auf der Goalie-Position zu vergeben. Wiedemann, der zwischenzeitlich bereits in der vergangenen Saison per Förderlizenz die Schlittschuhe für den EHC Bayreuth schnürte, kehrte nun final in der Wagner-Stadt ein. Ersetzt wurden die beiden Abgänge durch Leihgaben des Förderlizenz-Partners Berlin. Durchaus eine riskante Maßnahme, der Mut wurde jedoch belohnt. Mit Maximilian Franzreb, Konstantin Kessler sowie Marvin Cüpper verfügten die Lausitzer über ein famoses Dreigestirn im Tor, wobei Cüpper meist als Ersatztorhüter bei den Eisbären zum Einsatz kam. Als Nummer 1 etablierte sich der 20-jährige Maximilian Franzreb, der in der Hauptrunde mit 29 Einsätzen die meiste Eiszeit im Gehäuse erhielt. Mit einer Fangquote von über 90 % wusste er zu überzeugen. Auf 20 Spiele kam Konstantin Kessler, der lediglich elf Tage jünger ist als Franzreb. Die starken Leistungen beider Youngster bildete die Basis für das erfolgreiche Defensivkonzept Hannu Järvenpääs.

 

Offensivpower und Physis: Der Mix in der Abwehr passt
Auch in der Verteidigung deuteten sich schnell Veränderungen an. Mit Felix Linden (Bayreuth) und Benjamin Hüfner (Riessersee) verabschiedeten sich gleich zwei junge deutsche Standbeine der Lausitzer Defensive. Viel schwerer wog jedoch der Verlust des tschechischen Allrounders Lukáš Poživil. Der 34-jährige kehrte den Füchsen nach drei Spielzeiten den Rücken und schloss sich Ligakonkurrent Crimmitschau an. Dessen Nachfolge wurde insbesondere dem US-Amerikaner Nick Bruneteau anvertraut. Der 24-jährige Verteidiger, der in der Vorsaison noch für den Norwegischen Meister Stavanger Oilers auf Torejagd ging, verletzte sich allerdings kurz nach Saisonbeginn so stark, dass er bis zum Ende der Hauptrunde lediglich 28 Spiele absolvieren konnte. Ferner wurde als Unterstützung in der Verteidigung der Deutsch-Kanadier Sean Fischer (Riessersee) verpflichtet, der bereits zwischen 2012 und 2015 für die Ost-Sachsen verteidigte und den Kasseler Eishockeykenner noch aus seiner Erfurter Zeit in der Oberliga kennen dürften. Die Abwehr komplett machen außer den beiden fast nicht mehr aus der Füchse-Deckung wegzudenkenden André Mücke und Roberto Geiseler auch der Finne Patrik Parkkonen. Dieser war bereits in der vergangenen Saison zu den Lausitzern gestoßen, erlebte sein großes Coming-Out aber in der laufenden Spielzeit. Mit 50 Punkten war er zum Hauptrundenende der offensivstärkste Verteidiger der DEL2. Mit einer Körpergröße von zwei Metern und einem Gewicht von über 100 Kilogramm bringt außerdem Elia Ostwald einen ordentlichen Schuss Physis in die Defensive. Die gleiche Kernkompetenz weist auch der Deutsch-Tscheche Dominic Bohac vor.

Die beste Sturmreihe der Liga
Auch in der Abteilung „Attacke“ gab es ein größeres Kommen und Gehen. Der Ex-Nauheimer Kevin Lavallée verabschiedete sich gen Heilbronn, Ex-NHLer Darren Haydar zog es ins norwegische Lørenskog. Publikumsliebling Greg Classen bekam – wohl aufgrund seiner mittlerweile 39 Lenze – keinen neuen Vertrag und heuerte in Rosenheim an. Und auch einige der im Sommer als Neuzugang vermeldeten Angreifer mussten bereits – freiwillig oder nicht – ihren Hut nehmen. Der finnische Stürmer Taneli Maasalo konnte ebenso wenig überzeugen wie US-Boy Connor Gaarder, der Anfang Dezember zurück in die Staaten kehrte. Anders war die Lage beim Finnen Roope Ranta. Dieser schlug derart gut in Weißwasser ein, dass dieser nach dem Auslaufen seines Try-Outs nicht zu halten war. Nach 22 Punkten in 15 Spielen wechselte Ranta ligaintern zum SC Riessersee. Doch neben diesen Querschlägern gab es auch erfolgreiche Verpflichtungen im Sturm. Dennis Palka kehrte nach nur einer Saison im schwäbischen Bietigheim in die Lausitz zurück. Mit der Verpflichtung drei weiterer Akteure landeten die Füchse-Verantwortlichen aber absolute Volltreffer: Jeff Hayes, Jakub Svoboda und Dennis Swinnen avancierten im Laufe der Saison zur stärksten Sturmreihe der Liga. Während die spielstarken und extrem kreativen Rechtsschützen Hayes und Svoboda in der Wertung „Punkte pro Spiel“ ligaweit in den Top 5 liegen, ist der Deutsch-Belgier Swinnen mit 28 Toren der drittbeste Torjäger der laufenden Saison. Diese drei ergänzen sich perfekt und vernachlässigen dabei auch die Defensive nicht. Dies verrät der Blick auf die Plus/Minus-Bilanz, in der das Trio einen Wert von +22, + 19 und + 18 vorweisen kann. Eine Kernfrage für erfolgreiche Playoffs aus Huskies-Sicht wird also sein: Sind sie in der Lage, diese Sturmreihe in den Griff zu bekommen?
Zum Inventar gehören außerdem die Stürmer Jens Heyer und Thomas Götz, die in Weißwasser das Eishockeyspielen erlernt haben und aus dem Fuchsbau nicht mehr wegzudenken sind.

Füchse überraschen mit Rang 6
Bereits früh in der Saison deuteten die Weißwasseraner an, dass sie das Potential haben, oben ein gewaltiges Wörtchen mitzumischen. Der Start mit drei Siegen in Folge gelang und fortan waren sie nie schlechter platziert als auf eben jenem sechsten Platz, der auch nach 52 Spieltagen zu Buche stand. Selbst Platz 4 und das damit gleichbedeutende Playoff-Heimrecht lag im Bereich des Machbaren, allerdings ging den Füchsen im Saisonendspurt etwas die Luft aus, aus den letzten sieben Spielen sprangen nur noch zwei Siege heraus. Vater des Erfolgs ist neben Geschäftsführer Dirk Rohrbach der bereits erwähnte Cheftrainer Hannu Järvenpää, der seinem Team ein maßgeschneidertes System verpasste und zum Ende der Hauptrunde zum Trainer der Saison gewählt wurde.

Direkte Duelle mit Kassel
Wir beginnen diese Kategorie mit einem Blick in die Historie: Besonders in Erinnerung sind noch die Duelle beider Mannschaften Anfang der 90er Jahre. Damals war der ES Weißwasser frisch aus der 1. Bundesliga in die Zweitklassigkeit abgestiegen und kreuzte hier regelmäßig mit dem aufstrebenden EC Kassel die Klingen. Hitzige und rassige Duelle waren die Folge, die insbesondere in den Spielzeiten 1992/93 und 1993/94 in tollen Playoff-Serien mündeten. Damals noch im Trikot der Ostdeutschen: Falk Ozellis. Der gebürtige Görlitzer hatte den Großteil seiner Jugend im Trikot des ES Weißwasser verbracht, ehe er im Verlauf der Saison 1993/94 an die Fulda wechselte und seinen Teil zum DEL-Aufstieg der Huskies beitrug und heute sowohl bei Lausitzern als auch bei Nordhessen über Legendenstatus verfügt. Die Bilanz der laufenden Saison ist zwar ausgeglichen, der Trend spricht jedoch für die Lausitzer. Nachdem die ersten beiden Duelle mit 3:1 und 3:2 nach Kassel gingen, schlug Weißwasser zurück. Mit 5:1 entschieden sich das Aufeinandertreffen in Nordhessen kurz nach Weihnachten für sich und legten am 14. Februar im heimischen Fuchsbau außerdem einen 4:3-Sieg nach.

Steffen König und Tim Rosenthal
Huskies-Medienteam

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