Löwen

Die Löwen Frankfurt im Portrait

Mit einer herben Enttäuschung endete die letzte Saison der Löwen Frankfurt. Nach Platz 5 in der Hauptrunde ging man sang- und klanglos im Playoff-Viertelfinale gegen die Kassel Huskies unter. Besonders die 1:8-Niederlage in Spiel 4 vor eigenem Publikum setzte einer Saison, während der die eigenen Fans mit dem Team nie so recht warm wurden, die Krone im negativen Sinne auf. Die Frühjahrs- und Sommermonate wurden intern zur Analyse genutzt und darauf geachtet, dass zu dieser Saison ein charakterstarkes Team aufs Eis geht. Neben Rich Chernomaz steht nun Paul Gardner als Trainer hinter der Bande. Der 61-jährige Kanadier mit dem Faible für außergewöhnliche Krawattenmode war bereits in der NHL als Assistenzcoach aktiv und trainierte in der letzten Saison die Lausitzer Füchse. Zwei großen Namen als Verantwortliche auf der Bank, das passt zu den hohen Ansprüchen der Südhessen, die in dieser Saison mehr als Schadensbegrenzung für das vergangene Jahr betreiben wollten. Einen kleinen Rückschlag gab es allerdings im Sommer, da die Verantwortlichen der Nürnberg Ice Tigers völlig überraschend die Förderlizenz-Kooperation mit den Löwen kündigten. Dies warf die Personalplanungen bezüglich der U24-Positionen zurück. Anstatt auf Verstärkung aus Nürnberg bauen zu können, mussten die Löwen zu einem späten Zeitpunkt nun selbst auf die Suche nach geeigneten Nachwuchsspielern gehen.

Deutsche Lösung im Tor
Nachdem das Gehäuse in der letzten Saison mit Antti Ore und Tyler Plante noch in finnischer bzw. US-amerikanischer Hand war, entschieden sich die Löwen-Verantwortlichen zu dieser Saison dazu, alle Kontingentlizenzen in Skater zu investieren. So ist der Deutsch-Kanadier Brett Jaeger nun die Nummer 1 der Löwen. Jaeger ist seit 2011 in der 2. Liga aktiv und ging für die Fischtown Pinguins und die Dresdner Eislöwen aufs Eis. Zuletzt konnte er sich dort aber nicht als Stammtorhüter behaupten, so dass im Vorfeld gewisse Vorbehalte im Fanlager gegenüber dieser Maßnahme zu vernehmen waren. Der 34-jährige steigerte sich im aktuellen Saisonverlauf aber stetig und durfte sich zuletzt ein öffentliches Extra-Lob von Trainer Paul Gardner abholen. Löwen-Backup ist Florian Proske, der von den Adler Mannheim mit einer Förderlizenz für die Löwen ausgestattet wurde. Der Ex-Husky durfte in dieser Spielzeit bereits 14 Mal ran und überzeugte dabei mit starken Leistungen. Als Absicherung wurde kurz vor Ende der Wechselfrist außerdem der 1,96 Meter große US-Amerikaner Keegan Asmundson verpflichtet.

Mehr Offensive für die Defensive
Vor allem die Verteidiger Patrik Vogl und Henry Martens wurden von einem Großteil der Löwen-Fans als Sündenböcke für die schwache letzte Saison auserkoren. Entsprechend kam die Trennung mit den Beiden im Sommer nicht überraschend. Ihnen folgten zwei Spieler nach, die deutlich offensiver ausgerichtet sind. Joel Keussen wechselte aus Bad Nauheim an den Main, der Deutsch-Pole Pawel Dronia kam aus Bremerhaven. Beide kamen in der letzten Saison auf über 30 Scorerpunkte und verleihen der Löwen-Defensive zusammen mit dem ohnehin sehr offensiv ausgerichteten Matt Tomassoni noch einen Extra-Schuss Durchschlagskraft im Angriff. Für solide und sachliche Defensivarbeit steht auf der anderen Seite Eric Stephan, der von den Huskies nach Frankfurt wechselte und mit Matt Tomassoni das erste Verteidigungspärchen bildet. Allerdings entwickelte sich auch Stephan am Tomassonis Seite in dieser Saison nochmals weiter und kam in der Hauptrunde auf starke 23 Scorerpunkte. Zu den positiven Überraschungen der bisherigen Spielzeit gehört der 19-jährige Maximilian Gläßl, der aufgrund der zwischenzeitlichen Verletzungen von Tomassoni und Dronia in die Bresche springen musste, seine Aufgabe aber souverän und unaufgeregt löste.

Stretch und Pistilli führen den Sturm an
Wenig Glück hatten die Löwen in der letzten Saison mit ihren Kontingentspielern. Der begnadete Nick Mazzolini konnte verletzungsbedingt nie sein volles Potential abrufen, Stefan Chaput und David Brine fehlte die Durchschlagskraft. In diese Lücke stießen zu dieser Saison C. J. Stretch und Matt Pistilli. Der US-Amerikaner Stretch kam in der letzten Saison aus Übersee nach Rosenheim und empfiehl sich dort für einen Vertrag in Frankfurt. Der spielstarke und giftige Center bildet mit dem Kanadier Pistilli ein gefährliches Duo, zusammen kamen beide nach 36 Spieltagen auf 85 Scorerpunkte. Nachdem unter anderem Löwen-Rekordspieler Nils Liesegang und Brett Breitkreuz diese Reihe komplettierten, kamen zuletzt Rückkehrer Nico Oprée und der baumlange Eddy Rinke-Leitans mit dem Top-Duo zum Einsatz. Vierter Kontingentspieler bei den Südhessen ist Pat Jarrett. Dieser ging zwar in der letzten Saison in der Oberliga Süd für den EV Landshut aufs Eis, zuvor erarbeitete er sich im Trikot des EVL und der Dresdner Eislöwen aber den Ruf als einer der komplettesten Mittelstürmer der 2. Liga. Weiterhin zum Löwen-Kader gehört Routinier Richard Mueller, der im Alter von 34 Jahren kaum etwas von seiner läuferischen Klasse eingebüßt hat. Nach zwischenzeitlichen Ladehemmungen hat er inzwischen auch seinen Torriecher wiedergefunden und netzte in der Hauptrunde 28 Mal ein. Auch die Brüder Clarke und Brett Breitkreuz wurden mit einem weiteren Vertrag ausgestattet und sorgen für den physischen Aspekt. Zu dem zu Beginn erwähnten Missverständnis bezüglich Förderlizenz-Kooperation gesellte sich unglücklicherweise auch noch Verletzungspech hinzu. Mit Dennis Reimer und Lukas Laub fielen ausgerechnet zwei talentierte Shootingstars über mehrere Wochen aus, was die Löwen über weite Strecken dazu zwang, mit nur drei Sturmreihen zu agieren. Laub ist jedoch seit Mitte Januar bereits wieder mit an Bord und sorgt mit seiner Spielstärke für eine weitere Entlastung der Scoring-Lines. Auch Dennis Reimer feierte wenig später sein Comeback, da er als Förderlizenzspieler aber nicht auf die notwendigen 20 Einsätze kam, ist er für die Playoffs nicht spielberechtigt. Zu Beginn dieses Jahres gelang den Löwen-Verantwortlichen außerdem noch ein Top-Transfer. Christoph Gawlik, der bereits von 2008 bis 2010 für die damaligen Lions aufs Eis ging, wechselte mit einer Erfahrung von über 500 DEL-Spielen zurück nach Südhessen. Auch wenn aufgrund seiner Verletzungshistorie noch ein Fragezeichen hinter seiner Fitness steht, kann Gawlik schon aufgrund seiner Vita als klare Verstärkung betrachtet werden.

Mit Offensivpower und Comeback-Qualitäten in die Playoffs
Bereits früh in der Saison ließen die Südhessen keine Zweifel am Einzug in die Playoffs aufkommen. Nach dem dritten Spieltag waren sie auf Rang 4 platziert und rutschten danach auch nicht mehr aus der Heimrecht-Zone heraus. Im Januar konnte man sogar Primus Bietigheim für einen Spieltag vom Platz an der Sonne verdrängen. Zwar hatten die Steelers letztlich den längeren Atem, aber auch Platz 2 mit der besten Offensive (211 Treffer) zeigte, dass die Löwen-Mannschaft der aktuellen Saison nicht mehr mit dem teils zerstrittenen Team der Vorsaison zu vergleichen ist. Die Charakter-Stärke der Gardner-Truppe zeigt sich auch beim Blick auf die Comeback-Qualitäten: Während im letzten Jahr kein Spiel gedreht werden konnte, bei dem man mit zwei oder mehr Toren hinten lag, gelang dies in dieser Spielzeit fast regelmäßig.

Frankfurt in der Tabelle vorn – Kassel bei den Derbys
Zwar sah die DEL2-Tabelle die Löwen nach 52 Spieltagen acht Punkte vor den Huskies, drei von vier direkte Duelle in dieser Saison entschieden aber die Schlittenhunde für sich. Generell scheint es, als hätte sich das Derby-Schicksal in letzter Zeit gegen Frankfurt verschworen, denn obwohl sie in allen diesen drei Duellen mit Kassel in Front lagen, gingen sie (auch) aufgrund unglücklicher Gegentore oder großem Pech beim Torabschluss stets als Verlierer vom Eis. Diese schwarze Serie begann beim prestigeträchtigen Summer-Game vor fast 30.000 Fans zu Saisonbeginn. Obwohl Stretch sein Team eineinhalb Minuten vor der Sirene mit 4:3 in Front brachte, reichte dies nicht zum Sieg, da Klinge in der Schlussminute ausglich und Downing in der Verlängerung für die Entscheidung sorgte. Auch die frühe Führung durch Keussen im ersten Aufeinandertreffen in Kassel drehten die Huskies durch Tore von Christ und Downing im Mittelabschnitt. Kurios ging es auch im dritten Duell Mitte Dezember zu. Cespiva und Stretch sorgten für eine 2:0-Löwenführung, doch auch hier kamen die Huskies zurück. Nach Ritters Anschlusstreffer im 2. Drittel glich zunächst Austin Wycisk in der 52. Spielminute zum 2:2 aus, Corey Mapes sorgte zwei Minuten vor Schluss für den Siegtreffer, als ihm der Puck über Umwege ans Schienbein und von dort ins Tor sprang. Erst im vierten Aufeinandertreffen Ende Januar gelang es den Löwen, den Spieß umzudrehen. Diesmal lagen die Huskies durch Downings und Meilleurs Tore mit 2:0 vorn, im Mittelabschnitt kamen die Gäste jedoch bärenstark zurück, glichen durch Jarrett und Gawlik aus; Clarke Breitkreuz traf dann zehn Minuten vor Schluss zum 2:3-Endstand.

…und dann wäre da noch der Playoff-Fluch
Bereits vier Mal kreuzten die Huskies mit den Lions bzw. Löwen in Playoff-Serien die Klingen, vier Mal hatten die Schlittenhunde das bessere Ende für sich. Das erste Aufeinandertreffen gab es im Februar 1995, als Mike Millar, Dave Morrison, Greg Johnston und Co. nach fünf Spielen triumphierten. Ein Jahr später gelang im Best-of-Five-Modus sogar ein Sweep! Auf das nächste Playoff-Duell zwischen Nord- und Südhessen mussten die Fans dann 17 lange Jahre warten. Im Oberliga-Halbfinale war die Serie ebenfalls auf fünf Spiele angesetzt. Dabei waren die Schlittenhunde nicht unbedingt das bessere, aber definitiv das nervenstärkere Team, denn die drei Heimsiege wurden in Spiel 1, 3 und 5 durch Tore von Doyle, Sikora (umstritten per Schlittschuh) und Engel jeweils erst in der Overtime entschieden.

Wie bereits zu Beginn des Artikels erwähnt, zogen die Löwen auch im vierten Playoff-Duell im vergangenen Jahr den Kürzeren, kassierten einen weiteren Sweep und mussten anschließend mit ansehen, wie die Schlittenhunde bis zum Meistertitel durchmarschierten.

Steffen König
Huskies-Medienteam

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