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WINGAS-Cup: Der slowakische Gast

Mit dem HC Slovan Bratislava nimmt ein weiterer renommierter Verein am diesjährigen WINGAS-Cup in Kassel teil. Wie die ebenfalls teilnehmenden Vereine aus Riga und Podolsk, spielt der Club aus der slowakischen Hauptstadt in der Kontinentalen Hockey-Liga (KHL). Neben dem slowakischen Konkurrenten HC Košice entwickelte sich der Verein von der Donau spätestens ab dem Jahr 2000 zur dominanten Kraft in der heimischen slowakischen Extraliga. Im Jahr 2012 und nach dem bis dato letzten von insgesamt acht Meistertiteln, bot sich den Verantwortlichen die Möglichkeit die Extraliga zu verlassen und sich der KHL anzuschließen. Durch die exponierte Lage am geografisch äußersten Rand der Liga, sind die Auswärtsreisen zwar stets lang, die Gegner dafür jedoch namenhaft. In der nach dem sowjetischen Eishockeyidol Wsewolod Bobrow benannten „Bobrow Diwision“ der KHL trifft man seitdem auf die internationale Konkurrenz aus Helsinki, Minsk, Zagreb, Riga sowie die russischen Traditionsmannschaften ZSKA Moskau und SKA Sankt Petersburg.

Ehemaliger NHL-Star führt das Team an

Den klangvollen Gegnern in der Division angemessen, präsentiert sich auch der Kader des vom hochdekorierten Miloš Říha trainierten slowakischen Hauptstadtklub. Der gebürtige Tscheche ist bereits zum dritten Mal Trainer des HC Slovan (2001/2002 sowie 2004/2005) und kennt auch die KHL von seinen Engagements bei Spartak Moskau (2007 bis 2011) sowie SKA Sankt Petersburg (2011 bis 2013) aus dem Effeff. Auf dem Eis wird die Mannschaft von Kapitän Andrej Meszároš angeführt. Auch der mittlerweile 31-jährige Verteidiger blickt bereits auf eine beachtliche Karriere zurück. So stehen annähernd 700 Spiele in der NHL zu Buche, wo er unter anderem für die Mannschaften aus Ottawa, Tampa Bay, Philadelphia, Boston und Buffalo die Schlittschuhe schnürte. Über die Zwischenstation Nowosibirsk fand Meszároš im vergangenen Sommer den Weg nach Bratislava und zeigte sowohl auf als auch neben dem Eis, dass er trotz des fortgeschrittenen Alters noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Seine Schüsse von der blauen Linie sind gefährlich und insbesondere in Überzahlspielen eine nützliche Waffe.

Der Neuanfang

Doch trotz der Führungsqualitäten des Duos Říha / Meszároš verlief die vergangene Saison für die erfolgsverwöhnten Slowaken eher durchwachsen. In der von den Metropol-Teams aus Moskau und Sankt Petersburg dominierten West-Konferenz der KHL reichte es am Ende der 60 Spiele dauernden Vorrunde nur für Rang zehn, was gleichzeitig das Verpassen der Playoffs bedeutete. Umso wichtiger war für die Verantwortlichen des Vereins ein sportlicher Neuanfang im Sommer 2017. Auch einige für deutsche Eishockeyfans bekannte Gesichter mussten sich nach dem Verpassen der Playoffs einen neuen Arbeitgeber suchen. Ex-Straubing Tigers Goalie Barry Brusts Vertrag wurde folglich ebenso wenig verlängert wie der Kontrakt des ehemaligen Ingolstädters Žiga Jeglič oder des fast 500 NHL-Spiele schweren Kanadiers Kyle Chipchura. Auch die Dienste des letztjährigen Topscorers und Ex-NHLers Jeff Taffe sowie des ehemaligen „Rocket Richard Trophy“-Siegers Jonathan Cheechoo wird nicht weiter vertraut. Doch auch ohne die namenhaften Abgänge umfasst der zum WINGAS-Cup angereiste Kader der Slowaken den einen oder anderen klangvollen Namen. Im Tor liegt die schwere Bürde der Verantwortung in Zukunft auf den Schultern von Jaroslav Janus, der bereits die Jugendabteilungen des HC Slovan durchlief. Nachdem sich Janus nach mehreren Jahren in Nordamerika nicht durchsetzen konnte, kehrte der im ostslowakischen Prešov geborene Goalie 2012 nach Bratislava zurück. Das Goalie-Gespann komplettiert Jakub Štěpánek, der in seinen besten Zeiten nicht nur das Tor des russischen Traditionsclubs SKA St. Petersburg hütete, sondern auch regelmäßig als erster Goalie der tschechischen Nationalmannschaft auflief. Als Torhütertrainer fungiert in Bratislava übrigens ein weiteres für deutsche Eishockeyfans bekanntes Gesicht. Im Sommer 2017 gaben die verantwortlichen des HC Slovan die Verpflichtung von Rostislav „Hugo“ Haas bekannt, der zwischen 1998 und 2009 sowohl beim EHC Freiburg als auch bei den SERC Wild Wings zum Publikumsliebling avancierte und auch den Huskies bereits einige umkämpfte Partien lieferte. In der Verteidigung ragen neben dem bereits erwähnten Meszároš unter anderem Eigengewächs Michal SersenIvan Švarný sowie der finnische Neuzugang Tommi Taimi heraus. Während Sersen mit elf Spielzeiten im Trikot des HC Slovan bereits mehr oder weniger zum Inventar gehört, geht der 111-fache Nationalspieler Švarný in seine fünfte Saison für die Donaustädter. Der Finne Tommi Taimi kommt frisch aus dem Fernen Osten nach Bratislava.

Die Hoffnungsträger der Slowaken

Im Sturm ist die Verantwortung auf mehreren Schultern verteilt. Neuzugang Jan Buchtele konnte in den vergangenen Jahren immer wieder unter Beweis stellen, dass die heimische tschechische Extraliga zu schwach für einen Spieler seines Kalibers ist, der Durchbruch in der KHL lässt aber weiterhin auf sich warten. Gleiches gilt für Michal Hlinka, Sohn des im Jahr 2014 tragisch verstorbenen Weltmeister-Stürmers Miroslav Hlinka, der sein Können bislang nur in der heimischen Extraliga unter Beweis stellen konnte. Von Dynamo Moskau stieß mit Lukáš Kašpar im Sommer 2017 ein bekanntes Gesicht zum HC Slovan. Der Tscheche hatte in der Saison 2015/16 bereits für Bratislava gespielt und die Saison als Topscorer beendet. Auf ihm ruhen ebenso große Hoffnungen wie auf den Schultern von Radek Smoleňák. Der Stürmer war in der vergangenen Saison verletzungbedingt auf nur 13 Einsätze für den HC Slovan gekommen, gilt aber dank einer tollen Übersicht und feiner Hände als einer der talentiertesten Akteure in Miloš Říhas Reihen. Als unbekannte Größe müssen ferner Michal Řepík sowie Juraj Mikúš eingeschätzt werden. Řepík kommt nach einer durchwachsenen Saison bei Traktor Tscheljabinsk an die Donau, kann an guten Tagen aber den Unterschied im Team ausmachen. Mikúš bereits zwischen 2012 und 2014 für den HC Slovan aufs Eis gegangen war, hatte seine Karriere in der Zwischenzeit zwei Jahre gesundheitsbedingt unterbrechen müssen, zeigte in der vergangenen Saison im Trikot des HC Olomouc, dass er immer noch der talentierte Flügelstürmer ist, der 2005 von den Montréal Canadiens gedrafted worden war.

Die Geschichte der direkten Duelle beider Mannschaften ist schnell erzählt. Kassel und Bratislava sind bislang in keiner Art aufeinander getroffen, sodass die Partie beim WINGAS-Cup ein Novum darstellen wird. Berührungspunkte gab es bislang nur in Sachen Ex-Spieler. Torjäger Martin Bartek, Goalie Marek Mastic sowie Stürmer Jan Lipiansky können jeweils auf eine Vergangenheit in beiden Mannschaften zurückblicken. Des Weiteren wurden die Ex-Huskies Martin Hlinka und Boris Capla in der slowakischen Metropole geboren.

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