K1600_Riga_Logo

WINGAS-Cup: Riga mit Trainer Sandis Ozolins

In Lettland gilt Eishockey als Volkssport Nummer 1 – umso erstaunlicher ist es, dass die Tradition des besten lettischen Eishockeyteams Dinamo Riga nur bis ins Jahr 2008 zurückreicht. Der Club wurde gegründet, um an der ebenfalls gerade erschaffenen KHL (Kontinental Hockey League) teilzunehmen. Von Beginn an lautete ein Credo der Besitzer, komplett auf russische Spieler zu verzichten und den Fokus auf einheimische lettische Akteure zu setzen. Dieser Stil wurde in der Kaderplanung bis heute stets umgesetzt. Aktuell schmücken neben der Lettland-Fraktion noch sieben Spieler aus Kanada und den USA das Roster unserer Gäste aus dem Baltikum.

Ein großer Name hinter der Bande

Seit dieser Saison hat Sandis Ozolins das Sagen hinter der Bande. Der 45-Jährige ist in seinem Land eine absolute Ikone, kam in der NHL über tausend Mal zum Einsatz und gewann im Jahr 1996 als punktbester Verteidiger der Playoffs mit den Colorado Avalanche den Stanley Cup. Nach dem Ende seiner Zeit in Übersee ließ er seine Karriere bei Dinamo Riga ausklingen. Im Frühjahr 2014 hing er die Schlittschuhe an den Nagel, seine Rückennummer 8 wird beim Eishockeyclub aus der lettischen Landeshauptstadt seitdem nicht mehr vergeben. Nachdem er in der letzten Saison bereits Erfahrung als Assistenzcoach sammeln durfte, wechselte er zu dieser Spielzeit in die Rolle des Cheftrainers mit dem Ziel, sein Team wieder in die KHL-Playoffs zu führen. Denn Playoff-Luft schnupperten die Letten zuletzt in der Saison 2013/14, als Ozolins selbst noch das Angriffsspiel aus der Abwehr heraus ankurbelte. Es folgten anschließend drei ernüchternde Saisons, in denen man die Playoffs klar verpasste.

Mit Justin Peters zurück in die Erfolgsspur?

Im Tor setzen die Letten in dieser Saison auf eine kanadische Lösung. Justin Peters soll als neue Nummer 1 für Stabilität sorgen, er löst den Tschechen Jakub Sedlacek ab. Der 30-jährige Schlussmann pendelte zuletzt in Übersee zwischen den Ligen, schnupperte zwar immer wieder an einem festen NHL-Platz, kam aber selten über die Rolle des Backups hinaus. In der letzten Spielzeit musste er sich sogar mit lediglich drei Einsätzen für die Arizona Coyotes zufrieden geben, den Rest der Saison verbrachte er in der AHL. Entsprechend logisch erscheint der Schritt, es nun erstmals in Europa zu versuchen. Peters gilt als aggressiver, physischer Torhüter, der auch einer körperlichen Auseinandersetzung nicht aus dem Weg geht. Auch den Kanadier Karl Stollery bewegten wohl ähnliche Motive zum Wechsel nach Lettland. Der links schießende Verteidiger wartete ebenfalls erfolglos auf seinen Durchbruch in der NHL, über insgesamt 23 Einsätze als Lückenfüller in Denver, San José und New Jersey kam er nicht hinaus. In Riga soll er nun eine Führungsrolle übernehmen. Er gilt als kompletter Verteidiger, der einen guten Aufbaupass beherrscht und im Powerplay für Druck von der blauen Linie sorgen kann. Ihm zur Seite steht mit Krisjanis Redlihs ein Routinier. Der inzwischen 36-Jährige verfügt über große Erfahrungen auf der europäischen Eisfläche, war unter anderem in den höchsten Ligen von Schweden, der Schweiz und auch Deutschland aktiv. Seit dem Dinamo-Debüt in der KHL im Jahr 2008 schnürt er in seiner Geburtsstadt die Schlittschuhe, auch in der lettischen Nationalmannschaft gehörte er jahrelang zu den Leistungsträgern.

Nordamerikanisch geprägter Angriff

Auch im Dinamo-Angriff taucht der Name „Redhlis“ auf. Krisjanis‘ jüngerer Bruder Mikael war ebenfalls bereits Teil der Gründungsmannschaft des Jahres 2008, streute aber zwischenzeitlich eine Saison bei Lokomotiv Yaroslavl ein. Zur Saison 2014/15 kehrte er aber in seine lettische Heimat zurück, in der letzten Spielzeit war er viertbester Scorer seines Teams. Für die physische Note sorgt der Kanadier Colton Gillies, der bereits in der letzten Saison zum Team gehörte und in 43 Spielen 14 Scorerpunkte und 71 Strafminuten auf der Habenseite verbuchte. Bekannt dürfte einigen deutschen Eishockeyfans noch der Name Brandon McMillan sein, er ging in der Saison 2015/16 für den ERC Ingosltadt aufs Eis, entwickelte sich dort zum Leistungsträger und nutzte die Niederbayern als Sprungbrett für noch besser dotierte Verträge. McMillan ist ein kompletter Stürmer, die auch in Unterzahl zum wichtigen Faktor werden dürfte. Auch für die Flügelstürmer Lucas Lessio und Danny Kristo reichte es nicht zu einer NHL-Karriere, so dass sie nun ihr Glück in Europa suchen. Vor allem der US-amerikanische Rechtsschütze Kristo gilt als pfeilschneller Skater, für sein Heimatland nahm er im Jahr 2013 an der Eishockey-WM teil.

Ein in Deutschland ebenfalls bekannter Name ist T. J. Galiardi. Der Stürmer, der in der NHL auf über 300 Einsätze kam, absolvierte während des NHL-Lockouts im Jahr 2012 sieben Spiele für die Bietigheim Steelers. Zwischen all den genannten nordamerikanischen Leistungsträgern nimmt auch der Lette Gints Meija eine Führungsrolle ein. Der in Riga geborene lettische Nationalspieler kann auf insgesamt 386 KHL-Spiele für seinen Heimatclub zurückblicken.

Beitrag teilen: