Interview mit Nick Walters

Hallo Nick, wir werfen zunächst den Blick zurück. Wie und wo hast du deinen Sommer verbracht?

In Calgary, im kanadischen Bundesstaat Alberta.
Morgens habe ich auf und neben dem Eis trainiert und anschließend mit meinem besten Freund zusammen Fenster gereinigt. Wir haben nämlich vor ein paar Jahren eine Reinigungsfirma gegründet. Die Wochenenden verbrachte ich regelmäßig mit meinen Freunden, wir fuhren regelmäßig an den See um Zeit in der Hütte meiner Eltern zu verbringen, zu schwimmen oder Boot zu fahren.

In deiner zweiten Saison in der kanadischen Nachwuchsliga WHL hast du in einer Mannschaft mit dem Weilheimer Dominik Bittner gespielt. Hast du schon damals mit ihm über einen möglichen Wechsel nach Deutschland gesprochen? Und wie hast du herausgefunden, dass du deutsche Wurzeln hast?

Ja, Bitsy (Dominik Bittner) und ich haben eine Saison in einer Mannschaft zusammen gespielt und waren sogar die meiste Zeit Verteidigungspartner. Er und ich hatten sowohl auf- als auch neben dem Eis eine wirklich gute Verbindung. Er war sogar einer meiner engsten Freunde in der Saison und noch heute schreiben wir ab und zu. Wir haben damals tatsächlich auch über einen Wechsel nach Europa und Deutschland im Speziellen gesprochen, aber um ehrlich zu sein lag mein Hauptaugenmerk damals auf der NHL. Aber gerade in letzter Zeit habe ich dann immer häufiger mit Bitsy darüber gesprochen, was es doch für eine tolle Gelegenheit für mich wäre, in Deutschland Eishockey zu spielen.
Meine Mutter hat mir vor einigen Jahren erzählt, dass ihre Mutter in Deutschland geboren und in jungen Jahren nach Kanada gekommen ist.

Ein Vogel hat uns gezwitschert, dass deine Mutter auch heute noch die deutsche Sprache beherrscht- wie sieht es bei dir aus?

Ja, meine Mutter spricht tatsächlich Deutsch. Es ist zwar bestimmt inzwischen etwas eingerostet, aber ich bin mir sicher, sie kann das wieder abrufen, wenn sie mich in dieser Saison in Deutschland besuchen kommt. Meine Großeltern haben Wert darauf gelegt, dass sie die deutsche Sprache spricht und so kam es, dass sie als Kind zwölf Jahre lang jeden Sonntag einen Deutschkurs besucht hat.
Ich selber kann ein paar Wörter deutsch sprechen, aber spreche die Sprache leider nicht sonderlich gut.

Du bist ein physischer Spieler. Glaubst du, das ist ein Bereich, in dem du der Mannschaft weiterhelfen kannst?

Ich war schon immer ein hart arbeitender Spieler, der über den Kampf ins Spiel kommt und viel Wert auf die Defensive legt. Bezüglich Härte im Spiel versuche ich meine Checks zu Ende zu fahren und natürlich auch für meine Mitspieler einzustehen. Ich lege auch wirklich Wert darauf, tatsächlich Härte in meinem Spiel zu haben und möchte ein Spieler sein, der wertvoll im Unterzahlspiel ist und jede Menge Schüsse blockt. Ich möchte mit Stolz und Leidenschaft spielen und genau diese Eigenschaften in die Mannschaft einbringen. Ich weiß, dass Rico Rossi genau das in dieser Saison von mir erwartet und wie meine Rolle im Team aussehen wird

Auf der Videoplattform YouTube findet man eine Schlägerei von dir gegen den ehemaligen Huskies-Stürmer Carter Proft., der sogar nur wenige Kilometer von dir entfernt in Spruce Grove aufgewachsen ist. Kennt ihr euch und wer hat die Prügelei in deinen Augen gewonnen?

(Lacht) Das stimmt, in der Juniors hatte ich eine kleine Auseinandersetzung mit Profty. Wir kennen uns schon seitdem wir kleine Jungs sind und haben bei den Kleinschülern sogar mal zusammen in einer Mannschaft gespielt. Der Kampf selber war ausgeglichen, aber ich bin natürlich voreingenommen und sage, ich habe gewonnen 😉 .

Jens Meilleur hat uns kürzlich verraten, dass du mit ihm schon lange über den Standort Kassel gesprochen hast. Was hat er dir erzählt? Gab es noch andere Angebot in engerer Auswahl und falls ja, warum hast du dich für die Huskies entschieden?

Jens und ich haben bei den Brandon WheatKings zusammen gespielt. Wir haben uns tatsächlich über den Wechsel unterhalten und er wusste nur Positives über die Stadt, die Fans, das Management, die Trainer und vor allem über die Mitspieler zu berichten.
Es gab auch lose Anfragen von anderen Teams, aber am Ende war die Wahl nach Kassel zu gehen einfach. Der Kontakt zu Rico Rossi besteht seit drei Jahren, daher habe ich schon eine kleine Verbindung nach Kassel. Und natürlich ist es auch hilfreich für mich, in der selben Mannschaft mit Jens zu spielen. Jens ist ein klasse Typ und ich weiß, dass ich mich auf ihn und sein Wort verlassen kann.

Im Juni 2012 wurdest du beim NHL Draft in Pittsburgh von der Organisation der St Louis Blues gedraftet. Wie hast du diesen besonderen Tag in Erinnerung?

Ja, im Jahr 2012 wurde ich von den St Louis Blues gedraftet.. Es war natürlich ein besonderer Tag für mich und als ich den Anruf bekam, habe ich den Rest des Tages mit guten Freunden und meiner Familie verbracht und einfach den Tag genossen. Es hat dann leider nicht so geklappt, wie ich es gerne gehabt hätte, aber für mich bleibt es etwas Besonderes, das mir niemand mehr nehmen kann.

Letzte Saison hast du dich dann für den Wechsel über den großen Teich entschieden und für Odense in Dänemark gespielt. Wie hat es dir dort gefallen und wie kamst du mit der Umstellung auf das größere Eis zurecht?

Das Jahr in Odense war ein sehr gutes Jahr für mich. Ich habe viel über Europa gelernt und auch für mich persönlich ist alles sehr gut verlaufen. Es war mein erstes Jahr außerhalb von Nordamerika und wird auch deshalb immer in meinem Gedächtnis bleiben. Auch die Umstellung auf das große Eis hat ganz gut geklappt. Vor zwei Jahren war ich für die Universität von Calgary aktiv, die auch schon auf dem großen Eis gespielt und trainiert haben.

Wie lauten deine Ziele für die kommende Spielzeit?

Eigentlich sind meine Ziele für die kommende Saison recht einfach. Ich möchte mein Bestes geben, die mir vorgesehene Rolle möglichst gut ausfüllen und mit der Mannschaft gewinnen. Gewinnen ist für mich das Allerwichtigste. Dazu möchte ich mich als defensivstarker Verteidiger und Unterzahl-Spezialist in der Liga etablieren und natürlich ein Teil der „Kasseler Gemeinde“ zu werden.

Ich möchte mich bei den Huskies, für die Chance in Deutschland spielen zu dürfen, bedanken.

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