Die Löwen Frankfurt im Portrait

Löwen peilen Titelverteidigung an

In beeindruckender Manier sicherten sich die Löwen Frankfurt in der vergangenen Saison den Meistertitel. Nach Rang zwei nach der Hauptrunde wurden zunächst die Wölfe Freiburg und die Kassel Huskies per „Sweep“ in den Sommerurlaub geschickt, anschließend folgte ein 4:2-Erfolg über die Bietigheim Steelers im Finale. Das blamable Viertelfinal-Aus gegen die Huskies ein Jahr zuvor wurde damit mehr als kompensiert. Zur neuen Saison wurden von Sportdirektor Rich Chernomaz und Cheftrainer Paul Gardner punktuelle Kaderveränderungen vorgenommen. Das Ziel ist klar: Die Löwen wollen das erste Team in der Geschichte der eingleisigen 2. Liga sein, das den Meistertitel verteidigt.

Antti Karjalainen soll Jaeger ersetzen

Brett Jaeger war zu Beginn seiner Zeit bei den Löwen als Torhüter nicht unumstritten, nicht wenige zweifelten an den Fähigkeiten des Deutsch-Kanadiers. Doch allerspätestens in den Playoffs strafte der 35-Jährige alle Kritiker Lügen, lieferte überragende Leistungen ab und wurde als wichtigster Spieler der Playoffs ausgezeichnet. Ein Bandscheibenvorfall zwang ihn zu Saisonbeginn allerdings zu einer mehrmonatigen Pause, erst Ende November folgte das Comeback gegen Bad Tölz. In der Zwischenzeit teilten sich die Förderlizenzler Florian Proske und Hannibal Weitzmann den Job als Nummer 1 im Tor. Da sich beide Youngster im Januar jedoch ebenfalls verletzten und auch Jaeger noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war, verpflichteten die Löwen mit Antti Karjalainen einen 22-jährigen, talentierten Finnen. Diese folgt unter anderem seinen Landsleuten Jukka Tammi und Antti Ore nach, die ebenfalls bereits im Frankfurter Gehäuse glänzten.

Die Abwehr spricht deutsch

Mit Matt Tomassoni und Joel Keussen verließen zwei offensivstarke Verteidiger die Mainmetropole. Die Löwen-Verantwortlichen verzichteten darauf, eine Ausländerlizenz in die Abwehr zu stecken und setzen nun voll auf die deutsche Karte. Vor allem die Neuzugänge Tim Schüle und Dominik Tiffels, der per Förderlizenz von den Kölner Haien aufläuft, haben im bisherigen Saisonverlauf bewiesen, die entstandene Offensivlücke schließen zu können. Ob Tiffels den Löwen in den Playoffs zur Verfügung steht, ist jedoch noch fraglich, da auch die Kölner Haie Bedarf angemeldet haben. Zum Team gehört neben dem stets sachlich und sicher aufspielenden Maximilian Gläßl auch wieder Eric Stephan, der sich in der Meistersaison vor allem im Vorwärtsgang sehr gut entwickelte. Während die laufstarken Mike Card und Pawel Dronia weiterhin eine Portion Erfahrung beisteuern, steht Neuzugang Dalton Yorke mit einer Statur von 1,91 Meter und 99 Kilogramm für den physischen Aspekt. Ende Januar wechselte außerdem der 24-jährige Maximilian Faber aus Krefeld nach Frankfurt. In der Hauptrunde gehörte die Defensive jedoch alles andere als zum Löwen-Prunkstück. Mit 174 Gegentoren rangierten sie in dieser Rangliste nach Hauptrundenende ligaweit nur auf Platz 10. Allerdings: Auch in der Hauptrunde der letzten Spielzeit fingen sich die Löwen zu viele Gegentreffer ein, bekamen dieses Problem jedoch pünktlich zum Playoff-Start in den Griff und holten – auch dank eines überragenden Torhüters Brett Jaeger – den Meistertitel. Eine Rolle, die nun auch vom jungen Antti Karjalainen auszufüllen ist.

Die Tormaschine der Liga

Im Angriff mussten die Löwen drei schwerwiegende Abgänge kompensieren, die sich auf den deutschen Sektor beziehen. Mit Lukas Laub, Christoph Gawlik und Richard Mueller verließen drei Leistungsträger den Verein, vor allem der Weggang von Identifikationsfigur Mueller (unterschrieb für zwei Jahre beim SC Riessersee) löste bei großen Teilen des Fanlagers Betroffenheit aus. Tyler Gron, der mit deutschem Pass aus Heilbronn kam sowie der spielstarke Youngster Vladislav Filin wurden verpflichtet, um in die hinterlassenen Fußstapfen zu treten. Nach 21 Treffern im Löwen-Trikot verließ Gron im Tausch mit Lukas Koziol jedoch Frankfurt in Richtung Kassel, für Filin ist die Saison verletzungsbedingt schon beendet. Wie bereits erwähnt wurde auch die vierte Ausländerlizenz in den Sturm investiert. Die Wahl fiel dabei auf Wade MacLeod. Der Kanadier sollte bereits in der letzten Saison für Frankfurt auflaufen, eine Tumorerkrankung machte den Plänen tragischerweise jedoch einen Strich durch die Rechnung. Umso erfreulicher ist es, dass MacLeod nun wieder genesen ist und in den bisherigen Spielen bereits durch Spielfreude und Traumtore glänzte. MacLeod komplettiert damit ein nordamerikanisches Quartett, denn neben Patrick Jarrett und C. J. Stretch, den Mittelstürmern mit Führungsqualitäten, gehört auch Matt Pistilli erneut zum Team. Pistilli avancierte in der Hauptrunde der Meistersaison zum besten Torschützen und zweitbesten Scorer der Liga. Starke Playoffs absolvierte außerdem Brett Breitkreuz, der mit seinem Bruder Clarke längst zum festen Kern der Löwen gehört. Selbiges gilt natürlich auch für Nils Liesegang.

Die Offensive erfährt dazu Unterstützung vom Förderlizenzpartner aus Köln, der Lucas Dumont und Eric Valentin abstellt. Dazu gelang den Löwen während der Saison mit der Verpflichtung von Martin Schymainski ein echter Coup. Der Flügelstürmer kann auf die Erfahrung von 560 DEL-Spielen bauen und läuft bis Saisonende für die Südhessen auf, um zur neuen Saison wieder in Krefeld aufs Eis zu gehen. Der Löwen-Angriff ist in der Spitze somit erneut glänzend besetzt und bringt ein Niveau aufs Eis, das auf dem Papier höchstens noch in Bietigheim zu finden ist. Mit 207 Torerfolgen stellten sie in der abgelaufenen Hauptrunde den besten Sturm der Liga und kompensierten damit die oben angesprochenen Abwehrschwächen. In Überzahl rangierten sie mit einer Erfolgsquote von 25,2 % ebenfalls auf Platz 1.

Reihenzusammensetzungen

Fünf ausländische Spieler für vier Positionen – Löwen-Cheftrainer Paul Gardner hat die Qual der Wahl und setzte in den fünf Hauptrundenspielen auf Rotation, denn jeder der fünf Ausländer pausierte ein Mal. Dies führte auch dazu, dass Brett Jaeger am 51. Spieltag in Heilbronn nach wochenlanger Pause mal wieder Spielpraxis erhielt. Davor spielte Antti Karjalainen quasi durch, was dafür spricht, dass der Finne als Starter im Tor gesetzt ist.

In der Abwehr baut Gardner auf feste, eingespielte Pärchen. Das gilt sowohl für das Duo Dronia/Card als auch Tim Schüle und Eric Stephan. Fraglich ist, ob Dominik Tiffels bei den Kölner Haien zum Einsatz kommt, oder für die Löwen verfügbar ist. Geht er in Frankfurt aufs Eis, wird er voraussichtlich neben Max Gläßl verteidigen. Maximilian Faber stünde aber im Falle des Tiffels-Ausfalls bereit. Auch Dalton Yorke wird als siebter bzw. achter Verteidiger Eiszeit erhalten und die physische Komponente ins Spiel bringen.

Die Zusammensetzung der Sturmreihen ist entscheidend davon abhängig, welche ausländische Spieler pausiert. Klar ist: Ex Husky Lukas Koziol verstand sich zuletzt immer besser mit Nils Liesegang und Clarke Breitkreuz, diese drei werden höchstwahrscheinlich als feste Reihe auflaufen. Auch auf C. J. Stretch wird Paul Gardner wohl kaum verzichten wollen, der US-Amerikaner wird als Torschütze, Spielmacher, Bullyspieler und Chef-Provokateur gebraucht. Sollte Matt Pistilli nicht der Rotation zum Opfer fallen, kann er zusammen mit Stretch und Brett Breitkreuz die erste Sturmreihe bilden, die die Löwen vor einem Jahr zum Titel führte. Pistilli würde als Rechtsschütze das Löwen-Powerplay zudem variantenreicher gestalten.

Neben Stretch sollte auch Kapitän Pat Jarrett zunächst gesetzt sein, als Führungsspieler und bullystarker Zwei-Wege-Center ist er nur schwer zu ersetzen. Jarrett stürmte zuletzt mit DEL-Neuzugang Martin Schymainski. Zu diesen Beiden könnte sich entweder Wade MacLeod oder – sollte MacLeod rausrotieren – Youngster Lucas Dumont gesellen.

In der vierten Sturmreihe kommen mit Stephan Seeger und Center Eric Valentin zwei weitere Nachwuchskräfte zum Einsatz. Möglicherweise steht den Löwen mit Dani Bindels ein weiterer Förderlizenzspieler von den Haien zur Verfügung. In diesem Fall kann Paul Gardner selbst im Falle eines Karjalainen-Einsatzes auf vier komplette Sturmreihen zurückgreifen.

Keine Spur vom Meisterblues

Kevin Gaudet und Rico Rossi, Meistertrainer der Bietigheim Steelers bzw. der Kassel Huskies, verwiesen in den letzten Jahren nach nicht optimalen Saisonstarts auf den sogenannten „Meisterblues“, den Titelträger der vergangenen Spielzeiten immer wieder befiel. Nicht ohne Grund gelang es einem Meisterteam der eingleisigen 2. Liga noch nie, seinen Titel zu verteidigen – was natürlich auch daran lag, dass die Zweitligameister in früheren Jahren noch sportlich in die 1. Liga bzw. DEL aufsteigen durften. Im bisherigen Saisonverlauf deuteten die Löwen Frankfurt an, die Klasse zu haben, um diesen Fluch abzulegen. Von Beginn an setzten sie sich unter den Top 3 der Tabelle fest und beendeten die Hauptrunde auf eben jenem dritten Platz.

Ein kleines Fragezeichen steht jedoch hinter der aktuellen Form und dem Selbstvertrauen der Südhessen, insofern besteht eine Parallele zu den Kassel Huskies. Aus den letzten fünf Hauptrundenspielen sprang nur ein Sieg heraus.

Direkte Duelle zwischen Frankfurt und Kassel

Die Derby-Historie zwischen Frankfurt und Kassel ist lang und würde mehrere Kapitel füllen. Zu DEL-Zeiten waren es vermehrt die Lions, die die direkten Duelle gegen die Huskies für sich entschieden und unter anderem für den „Fluch vom Ratsweg“, eine fast 16 Jahre lang anhaltende Pleitenserie der Huskies in Frankfurt, sorgten. Nach dem Neuanfang auf beiden Seiten im Jahr 2010 waren es aber die Schlittenhunde, die in den Ober- und Zweitligaduellen meistens die Nase vorn hatten – gekrönt vom Sweep in den Playoffs 2016. Im letzten Frühjahr drehten die Löwen den Spieß jedoch um und zogen ihrerseits mit einem 4:0-Serienerfolg über Kassel ins Halbfinale ein.

Kurios: Der Gewinner des direkten Hauptrundenvergleichs zog in den jeweiligen Playoffs jeweils den Kürzeren. Nachdem die Löwen in 2015/16 drei von vier Hauptrundenspiele gewannen, flogen sie anschließend in den Playoffs raus. Selbiges passierte den Huskies ein Jahr später, denen drei Hauptrundensiege im Halbfinale nichts nützten. Auch in dieser Saison gewannen die Schlittenhunde drei der vier Aufeinandertreffen. Ein schlechtes Omen aus Kasseler Sicht?

Steffen König
Huskies-Medienteam

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